Gelenktriebwagen der 1960er bis 1980er Jahre

Heidelberg


  Inhalt
• Düwag GT6
• Düwag GT8
• Duewag M8C



Düwag GT6

 

Die Heidelberger Straßenbahn bestellte nach einem Probeeinsatz des Bochumer GT6 Nr. 255 im Jahr 1959 acht sechsachsige Gelenktriebwagen in Einrichtungsbauweise bei DÜWAG um den Fahrzeugpark zu modernisieren. Die Triebwagen 201-208 wurden 1960 geliefert. Diese wurden auf der Linie 2/2K (Handschuhsheim - Hauptbahnhof (Linienwechsel) - Karlstor, später 2/5) eingesetzt, da an beiden Endstellen Wendeschleifen vorhanden waren.

Als nächsten Schritt bestellte man für die Linie 11 (Heidelberg Bismarckplatz - Schwetzingen) weitere 5 Gelenkwagen (209-213), da an beiden Endstellen Wendeschleifen vorhanden waren. Aufgrund der eingleisigen Streckenführung in Seitenlage in Eppelheim und Plankstadt, wurden diese Fahrzeuge mit zwei einflügligen Falttüren auf der linken Seite ausgestattet, um die dortigen Haltestellen bedienen zu
können.

Aufgrund nicht umsetzbarer Umbaupläne für weitere Wendeschleifen wurden keine weiteren Einrichtungswagen beschafft. Durch den Entfall der Schleife am Karlstor wurden bereits 1968 die gerade einmal 8 Jahre jungen Fahrzeuge 201 bis 203 nach Mannheim abgegeben, wo diese die Nummern 318-320 erhielten. 1971 wurde die Linie 2 aufgegeben und 1974 wurde die Linie 11 auf dem Abschnitt Eppelheim-Schwetzingen eingestellt, so dass die Fahrzeugserien 204-208 und 209-213 1971 bzw. 1974 nach Mainz verkauft wurden.

Konsequenterweise bestellte die HSB ab 1964 Heidelberg nur noch Zweirichtungsfahrzeuge, was der politischen Zielsetzung einer weitgehenden Stilllegung der Straßenbahn entgegen kam. Von 1964 bis 1973 wurden in vier Lieferserien insgesamt 31 sechsachsige Zweirichtungsfahrzeuge in Betrieb genommen. Diese stellten ab 1974 fast den gesamten Fuhrpark für den Grundauslauf der Heidelberger Straßenbahn dar.

Für das starke Verkehrsaufkommen des südlichen Astes der Linie Handschuhsheim - Leimen wurden 1975 vier Achtachser in gleicher Bauart der Sechsachser beschafft. Auch für andere Linien erwiesen sich die Sechsachser als zu klein. Da aber ein Umbau zum Achtachser nicht angedacht war, musste ein hoher Anteil von E-Wagen in Spitzenzeiten in Kauf genommen werden.

1983 wurde die Beschaffung weiterer vier Achtachser eingeleitet, wobei auf den Typ M8C zurückgegriffen wurde. 1984 wurde die Bestellung auf 8 Fahrzeuge aufgestockt, da nach einem Brand im Betriebshof drei 6achsige Fahrzeuge verschrottet werden mussten.

1993 wurde die Beschaffung von Niederflurfahrzeugen eingeleitet, nachdem der Straßenbahn eine politisch gesicherte Zukunft zugesichert wurde. Nach Lieferung der MGT6D 1995, eine Variante der für Bochum gelieferten Fahrzeuge  wurden die Sechsachser, aufgrund der geringen Fahrgastkapazität, nach und nach entbehrlich.

1997 baute man drei Triebwagen 214 (HSB), 215 und 217 (verkauft an MVG) zu Arbeits- und Schienenschleiffahrzeugen um. Diese sind bis heute unter den Nummern (3)200, 1301 und 1302 im Netz der rnv unterwegs.

Aufgrund der stark gestiegenen Fahrgastnachfrage auf der Linie 3 (Handschuhsheim - Leimen) bildete man ab 1999 aus den vorhandenen 14 Sechsachsern der letzten Bauserie sieben festgekuppelte Doppeltraktionen aus je zwei Sechsachsern. Diese wurden später auch auf der Linie 4 eingesetzt. Nicht mehr benötigte Sechsachser der älteren Serien wurden sukzessive nach Schöneiche und Jena verkauft.

Nach Lieferung der 40m langen Variobahnen ab 2003 wurden auch die restlichen Altfahrzeuge nach und nach aus dem Betrieb genommen. Die letzten Sechsachser schieden 2010 nach Lieferung der zweiten Lieferserie Variobahnen aus.

2020 wurde Tw 43 (ex 218) aus Schöneiche zurückgeholt und wird derzeit als historisches Fahrzeug wieder aufgearbeitet. Zukünftig wird dieser wieder unter seiner alten Nummer 218 fahren, wofür er bereits 2002 vorbereitet wurde.



Düwag GT8


 Für die nachfragestärkste Linie 3 (Handschuhsheim-Leimen), die 50% der HSB-Fahrgastnachfrage auf der Schiene aufweist, benötigte man  bereits Anfang der 1970er Jahre  deutlich  größere Fahrzeuge und beschaffte vier achtachsige Gelenktriebwagen des vorhandenen veralteten Baumusters. Die 1975 in Betrieb genommenen Fahrzeuge erhielten die Nummern 201-204.

 Triebwagen 204 wurde bei einem Betriebshofbrand im Oktober 1984 stark zerstört. Aber aufgrund des Mangels an großen Fahrzeugen, wurde er in der Zentralwerkstatt in Mannheim wieder aufgebaut.

Durch die Beschaffung von Neufahrzeugen wurden die betrieblich stark genutzten vier GT8 in den 2000er Jahren immer weniger eingesetzt. Triebwagen 201 und 203 wurden 2008 verschrottet. Triebwagen 202 und 204 wurden aufgrund des besseren Erhaltungszustandes sporadisch weiter genutzt.

Die letzten Linieneinsätze dieser Fahrzeuge fanden 2018 statt. Triebwagen 204 ist im Besitz der IGN e.V. und kann unter anderem für Sonderfahrten gemietet werden.




Duewag M8C


 Anfang der 1980er Jahre musste die Beförderungskapazität der steigenden Nachfrage weiter angepasst werden. Daher testete man im Herbst 1983 den M8C-Triebwagen 1118 der Essener Verkehrsbetriebe. Die Probefahrten verliefen weitgehend zufriedenstellend und 1984 wurden mangels Alternativen zunächst vier M8C bestellt. Durch den folgenschweren Brand im Betriebshof wurde die Bestellung auf 8 Fahrzeuge erhöht. Die acht ab Dezember 1985 gelieferten Fahrzeuge bekamen die Nummern 251 bis 258.

Auch Ludwigshafen (VBL) plante neue Fahrzeuge zu beschaffen und führte 1985 Probefahrten mit dem M8C 846 aus Krefeld durch. Aufgrund der parallelen Entwicklung eines Fahrzeuges vom Typ RN2000 der MVG in Mannheim kam es zu keiner Bestellung. Später beschafften die VBL ab 1995 gemeinsam mit der MVG baugleiche Niederflurwagen.

2008 beschloss die rnv die vorhandenen acht M8C aufgrund des guten Zustandes zu modernisieren und mit einem Niederflurmittelteil auszustatten. Zwischen 2010 und 2013 wurden die Fahrzeuge bei Cegelec in Tschechien modernisiert und das türlose Hochflur-Mittelteil wurde durch ein neues Niederflurmittelteil mit Schwenkschiebetür ersetzt. Die in die Jahre gekommene Choppersteuerung wurde durch eine neue
Fahrzeugsteuerung des Typs TV-Progress getauscht und die Fahrerstände erhielten Klimaanlagen.

Alle acht Fahrzeuge sind noch unter den rnv-Fahrzeugnummern 3251 - 3258 in Heidelberg in Betrieb.



Technische Daten

Fahrzeugtyp

GT6

GT6

GT8

M8C

M8C-NF

Bauart

6x ER

6x ZR

8x ZR

8x ZR

8x ZR

Anzahl

13

31

4

8

8

Fahrzeugnummern

201 - 213

214 - 244

201 - 204

251 - 258

3251 - 3258

Baujahre

1960, 1961

1964, 1966, 1968, 1973

1975

1985 - 1986

1985 - 1986

  Umbau  2010 - 2013

Fahrgasttüren

4

4

5

4

5

Länge

19,10 m

20,10 m

26,10 m

25,90 m

26,64 m

Breite

2,20 m

2,20 m

2,20 m

2,30 m

2,30 m

Leergewicht

20,2 t

22,7 t

25,5 t

34,5 t

34,0 t

Motoren

2 x 95 kW

2 x 100 kW

2 x100 kW

2 x 190 kW

2 x 185 kW

Sitzplätze

35

42

54

54

54

Stehplätze








Fahrzeugliste

Heidelberg: GT6, GT8 und M8C


Bilder


GT8

202 auf einer der letzten Linieneinsätzen auf der Linie 24 an der Haltestelle Burgstraße am 06.02.2018

202 auf Überführungsfahrt nach Ludwigshafen auf dem Kurpfalzkreisel in Mannheim, 30.04.2020

204 am Römerkreis Süd

204 am Neumarkt in Mannheim

204 am Bethanienkrankenhaus

204 an der Ortenauer Straße

204 in Leimen am Zementwerk

204 in Leimen zwischen den Haltestellen Kurpfalz-Centrum und Moltkestraße





M8C(-NF)

3251 hat die Haltestelle Biethsstraße verlassen

3251 zwischen HD Hauptbahnhof Süd und Gadamerplatz

3251 auf dem Römerkreis

3251 am 07.05.2024 an der Pestalozzischule in Mannheim

Innenraum des 3251

Innenraum des 3251

3252 auf der Grünen Meile zwischen Gadamerplatz und HD Hauptbahnhof Süd

3253 an der Biethsstraße

3254 fährt in die Haltestelle Czernyring ein

3255 und 3258 am Heidelberger Hauptbahnhof

3256 in Rohrbach Süd

3256 am Gadamerplatz

3257 am 10.05.2022 in MA-Neuostheim an der Hans-Thoma-Straße

3257 an der Haltestelle Kapellenweg

3258 auf der Carl-Benz-Straße

3258 biegt aus der Bergheimer Straße in die Haltestelle Bismarckplatz ein